Historia Viva historische Vortragsreihe Schicksalsjahr 1415 im Rathaus Sursee, besucht von Léonard Wüst

 

Die Luzerner belagern Sursee Tschachtlans Bilderchronik 1470/71

Die Luzerner belagern Sursee Tschachtlans Bilderchronik 1470/71

 

EINE INSTITUTION

Die Historische Vortragsreihe wurde vor gut 30 Jahren durch den damaligen Stadtarchivar Stefan Röllin ins Leben gerufen. Dank spannenden Themen und fachkundigen Referentinnen erwarb sie sich ein spürbar motiviertes Stammpublikum, das sich alljährlich an den vier Märzabenden im Sursee`r Rathaus einfand. 2012 hat HISTORIA VIVA es übernommen, die Vortragsreihe weiterzuführen. Als Organisator wirkt derzeit, gemeinsam mit dem Vereinsvorstand, der Geschichtslehrer an der KSS Samuel Budmiger.

In diesem Jahr befasst sich die Vortragsreihe aus aktuellem Anlass der Eroberung Sursees durch die Luzerner vor 600 Jahren.

Historia Viva historische Vortragsreihe Schicksalsjahr 1415 im Rathaus Sursee

Vorabinformation ab Homepage Historia Viva:

NÄCHTLICHE BOOTSFAHRT MIT FOLGEN…

Natürlich war in Wirklichkeit alles ein bisschen komplizierter. Dass in der Nacht vom 20. auf den 21. März 1415 ein einflussreicher Adliger und ein abgedankter Papst in einem Schiff die Flucht von Konstanz nach Schaffhausen antraten, das war nicht der Auslöser der Krise, die dann schliesslich zur Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen führte, sondern eine der Folgen. Herzog Friedrich von Österreich und der nicht mehr genehme Papst Johannes XIII. traten in jener Nacht die Flucht an, weil sie von Seiten des Königs Sigismund, der das Konzil einberufen hatte, immer stärker unter Druck gerieten. Im Falle des österreichischen Herzogs war das königliche Missfallen über dessen Unterstützung des missliebigen Papstes so gross, dass Sigismund die Angehörigen des gesamten Reiches gegen Friedrich aufrief. So kam es zur Eroberung des Aargaus, und so konnten die Luzerner Sursee unter ihre Herrschaft bringen.

    1. Vortrag, 5. März 2015: April 1415: Luzern erobert Sursee

Nach der kurzen humorvollen Begrüssung durch Mitorganisator Samuel Budmiger (Geschichtslehrer an der Kantonsschule Sursee), dass überraschend viele Besucher gekommen seien, um eine Sursee`r Niederlage nachzuvollziehen, schilderten Stadtarchivar Michael Blatter und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Nicole Bättig alternierend und doch fliessend die damaligen Abläufe, soweit sie denn historisch belegt sind.

Fakten und Ausgangslage: Römischer König war Sigmund (Sigismund, 1368 – 1437) von Luxemburg, sein mittelbarer Antipode Friedrich IV. (Tirol, 1382 – 1439) von Habsburg. Sursee war damals unter habsburgischer Herrschaft, die Eidgenossenschaft im heutigen Sinne existierte erst ansatzweise. Es herrschten damals gleichzeitig drei Päpste, je einer in Rom, in Avignon und in Bologna. Deshalb hatte Sigismund das Konzil in Konstanz einberufen, um diese leidige Sache endlich zu bereinigen und die Kirche, die sich ja zusätzlich auch gegen Reformatoren wie Jan Hus (1369 – 1415) wehren musste, wieder zu einen. Erst die Eroberung des Kantons Aargau durch die Eidgnossschaft (die alten Stände, u.a. Bern und Zürich) bildete die eigentliche Grundlage zur Bildung der Eidgenossenschaft, wie wir sie heute kennen. Diese Eroberung kam nicht plötzlich, sondern war mit Sigismund so vorbereitet und verhandelt worden und nützte allen Beteiligten zur Durchsetzung ihrer jeweiligen Eigeninteressen, ausser natürlich Friedrich IV., dessen Reichsherrschaft dadurch praktisch nur noch auf das Tirol reduziert wurde. Das Elsass, der Schwarzwald usw. hatten jetzt andere Reichsobere. Auch die Luzerner zeigten Expansionsgelüste und piesackten die Sursee`r schon seit geraumer Zeit (ungerechtfertigte Zölle, quasi Fischereiverbot im Sempachersee u.ä). Darüber beschwerten sich die schikanierten auch bei ihren „Schirmherren“, den Habsburger, was diese aber nicht gross interessierte, da solches im gesamten Herrschaftsgebiet an der Tagesordnung war. Dies alles ereignete sich in einer Zeit des Aufbruchs und der Neuordnung, Weichen wurden gestellt, zukünftige Bündnisse aufgegleist, Allianzen geschmiedet, grad so, wie es einem momentan am zweckmässigsten erschien und am besten nützte.

So belagerten die Luzerner das Habsburgerstädtchen Sursee im April 1415, man schätzt so ungefähr 2 Wochen lang, gekämpft wurde nicht eigentlich, sondern um die Kapitulationskonditionen gefeilscht und verhandelt, bis Sursee sich am 30. April übergab. Bei der Einigung wurde ein schriftliches Protokoll erstellt, in 2 Ausführungen, je eines für Luzern und Sursee. (diese Dokumente sind erstaunlicherweise noch in den jeweiligen Archiven vorhanden). Ausser 3 Zeichnungen, die aber erst Jahrzehnte nach den Geschehnissen erstellt wurden, sind keine schriftlichen Belege über die Eroberung von Sursee mehr auffindbar. Sursee wurde zu der Zeit zum grossen Teil noch von einem verheerenden Brand Grossteils zerstört, dem natürlich auch die meisten Dokumente zum Opfer fielen.

Dies sind nur die Eckpunkte der vorgetragenen Informationen zur Eroberung Sursee`s durch Luzern. Damals hatten sehr viele Städte, Grafschaften, Herzogtümer usw. Expansionsgelüste und versuchten auch, die zu realisieren. Den Luzernern hätte die Herrschaft über Zofingen (das sich dann die Berner aneigneten) und auch über Baden (dies in Konkurrenz mit Zürich) sehr gedient, um ihre strategische Position an der Gotthardhandelsroute noch auszubauen und zu festigen. Jeder versuchte vom Kuchen der zu verteilen war, ein möglichst grosses Stück zu bekommen, trotzdem reichte es für einige nur für Brosamen. Luzern war nicht einer der ganz grossen Gewinner, festigte aber seine Position dank der Einnahme von Sursee doch so stark, um in der entstehenden, sich vergrössernden Eidgenossenschaft eine gewichtigere Rolle spielen zu können. Die Vorgänge aus etwas anderen Blickwinkeln und Zusammenhängen werden in den weiteren 3 Vorträgen im Rathaus Sursee, jeweils um 20.00 Uhr von diversen Referenten geschildert: an folgenden Donnerstagen: 12., 19., und 26. März. Es lohnt sich, frühzeitig vor Ort zu sein um einen optimalen Platz zu ergattern, war doch der Aufmarsch der Interessierten an diesem ersten Vortrag am 5. März sehr gross, grösser als an manchen Gemeindeversammlungen der letzten Jahre.

 

 

Die beiden Referenten des Stadtarchivs Sursee:

Michael Blatter und Nicole Bättig Meyer

Michael Blatter und Nicole Bättig Meyer

http://www.sursee.ch/de/verwaltung/aemter/?amt_id=6833

 

 

 

 

Text: www.leonardwuest.ch

Bilder: Wikipedia und http://www.historiaviva.ch/index.html

Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch www.gabrielabucher.ch
www.irenehubschmid.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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