Stephan Eicher und die Automaten, KKL Luzern, 19. Mai 2015, besucht von Léonard Wüst

Stephan Eicher und die Automaten

Stephan Eicher und die Automaten

Besetzung:

Stephan Eicher, vocals/guitar/piano und die Automaten

 Rezension:

Ich hatte ja an diesem Tag noch kein „déjeuner en paix“, da ich mir dieses natürlich in Chanson Form von Stephan Eicher wünschte, obwohl mir, aufgrund des vorangekündigten Programms eigentlich schon bewusst war, einen Stephan Eicher der anderen Art zu erleben als gewohnt. Eicher gab letzte Woche ein Interview betreffend der Automaten. Dabei erwähnte er, u.a., dass er bei der Firma Decap Gebroeders in Antwerpen recherchiert hatte, eine Firma die führend ist im Bau und Restauration/Unterhalt mechanischer Tanzorgeln, ob pneumatisch, elektronisch oder gemischt betrieben. Da ich mit Roger Mostmans, dem heutigen Betriebsinhaber befreundet bin und über 20 Jahre meine frühere Sammlung antiker Musikautomaten von ihm restaurieren und unterhalten liess (darunter die weltgrösste Mortier Tanzorgel, Baujahr 1923, bestückt mit über 700 Pfeifen auf 19 Register verteilt), war ich logischerweise auf das Ereignis und Resultat dieses musikalischen Experiments besonders vorbereitet und entsprechend eingestimmt und gespannt.

Die Bühne des KKL war bestückt mit den üblichen Sachen, Boxen, Verstärker Scheinwerfer, dazu aber auch eine Art stehendes Xylophon und ein paar andere seltsame Sachen, die sich dann im Verlaufe des Konzertes durch ihr Benehmen (respektive ihre Geräusche) als eben die besagten Automaten outeten. Licht aus und aus dem Dunkel erschien der Protagonist des Abends, heftig bejubelt von seinen Fans im ausverkauften Konzertsaal. Er setzte sich ans Klavier und eröffnete das Konzert mit einem auf berndeutsch vorgetragenen Lied, schnallte sich dann eine Gitarre um und sang ein Chanson auf Französisch, gefolgt von einem Song in englischer Sprache. Etwas ungewöhnlich und akustisch kaum verständlich. Dann bezog er nach und nach auch die Automaten in seine Performance mit ein, gesteuert mittels diversen Fusspedalen, dabei entpuppte sich auch das benutzte Klavier als ein selbstspielendes. So kam etwas Ähnliches wie eine Band zusammen, mit Rhytmusautomaten, Glockenspiel usw. mit Eicher als einziger realer Musiker. Es klang leider alles sehr monoton, war vor allem auf Rhythmus basierend. Irgendwie tönte es nach einer Mischung aus Technorama und Kraftwerk. Das einzige Stück, das richtig kompakt daherkam war die „automatische“ Version von „Déjeuner en paix“ und wurde von den Anwesenden auch frenetisch bejubelt. Eicher referierte relativ viel, gab Anekdoten zum Besten, erläuterte auch den Beginn seiner Passion für die Gitarre und die Musik ganz allgemein. Seine Mutter musste ihn immer mit dem Ruf „Stephan ässe“ aus dem Zimmer locken, wenn er in seine Welt abgetaucht war. So ermunterte er auch das Publikum, ihn mit ebendiesem Ruf zu wecken, falls er sich während der Sets vergessen sollte. Es wurde dann ein paarmal geübt ob das klappt und kaum war das geklärt, ging es munter weiter im Programm. Selbst die bekannteren Kompositionen des Künstlers kamen einem fremd vor in dieser Kombination mit den Automaten, was aber seine Fans keineswegs störte. Das Konzert dauerte dann doch um einiges länger als ursprünglich geplant, verlor sich Eicher doch tatsächlich des Öftern in seinem Raritätenkabinett. Es folgte die Vorstellung seiner „Band“ mit kurzen Erläuterungen, wie er diese zum Spielen gebracht habe. Zurück zu den Wurzeln gings dann bei den Zugaben wie dem unverwüstlichen Campari Soda, auch visuell mit rotem Scheinwerferlicht perfekt in Szene gesetzt, es folgte d`Rosmarie und i und dann verlor er auch noch seine Hemmige ans begeisterte Auditorium, das ihn einfach nicht von der Bühne gehen liess. Deshalb gabs auch noch eine zusätzliche Zugabe in Form eines Solos des elektrischen Klaviers, das mittels Lochkarten gesteuert wurde, sehr zur Verblüffung des Publikums. Ob Eicher seinen Stil in Zukunft auf diesen Stil ausrichten wird wage ich zu bezweifeln, denke eher, es war ein Experiment um sich selber irgendwie auszuloten. Ein aussergewöhnliches Erlebnis war es auf jeden Fall und die Fans feierten Den Künstler und auch sich selbst irgendwie ein bisschen.

 

Stephan Eicher – Déjeuner en paix (clip officiel)

www.youtube.com/watch?v=S7cP8jGMtAE

Stephan Eicher und die Automaten – Déjeuner en paix

www.youtube.com/watch?v=JmhGt8hWrtY

Text: www.leonardwuest.ch

http://allblues.ch/Home

Fotos: www.allblues.ch

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