Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 7 Kammerorchester Basel | Trevor Pinnock | Klaus Maria Brandauer | Solisten, besucht von Léonard Wüst

KammerorchesterBasel_c_Christian-Flierl

KammerorchesterBasel (c)Christian-Flierl

Programm und Besetzung:

Kammerorchester Basel | Trevor Pinnock | Klaus Maria Brandauer | Solisten

Trevor Pinnock | Klaus Maria Brandauer Kammerorchester Basel | Mitglieder der Basler Madrigalisten: Gunhild Lang-Alsvik Sopran | Ilze Paegle Sopran | Londa Deborah Loosli Mezzosporan | Bernadeta Sonnleitner Mezzosporan | Trevor Pinnock Dirigent | Klaus Maria Brandauer Sprecher | Lauryna Bendziunaite Sopran | Ursula Eittinger Mezzosopran

Henry Purcell (1659-1695) Suite aus der Masque The Fairy Queen Z. 629 (eingerichtet von Trevor Pinnock)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Ein Sommernachtstraum opp. 21 und 61 Ouvertüre und Bühnenmusik

Rezension:

Brandauer Klaus Maria_c_ChristofMattes

Brandauer Klaus Maria_c_ChristofMattes

Es war absehbar und es kam auch so: Der programmierte Sommernachtstraum mit rezitierten Texten wurde fast zur „One man Show“ des Klaus Maria Brandauer.

Aber von Anfang an. Der erste Konzertteil mit der Semi – Opera von Henry Purcell, uraufgeführt am 2. Mai 1692 in London, war eine der teuersten Produktionen jener Zeit und die erzielten Einnahmen deckten bei weitem die Kosten nicht, obwohl sie durchaus erfolgreich war und Zuspruch fand. Pinnock stellte für das heutige Konzert eine kleine Suite aus Purcells umfangreicher Bühnenmusik zusammen, die sowohl Instrumental – als auch Gesangsnummern umfasste, beginnend mit der festlichen fünfteiligen Symphonie to Act 4, beinhaltend die Ouvertüre mit zwei Trompeten, Kesselpauke und Streichern, bei denen, laut Purcell, die Sonne aufgeht, „bis sie schliesslich in vollem Glanz am Himmel steht und die Szene taghell beleuchtet“. Dann das schmerzlich – süsse von den Streichern eingeleitete und durch den Chor abgerundete „If love`s a sweet passion“, die Titanias Liebe zu dem in einen Esel verwandelten Zettel wiedergibt. Hier beeindruckten zwei Solistinnen sowie die vier Sängerinnen der Basler Madrigalisten, je drei Sopranistinnen und Mezzosopranistinnen. Während Lauryna Bendziunaite (Sopran) anfänglich noch etwas Mühe bekundete, sich von den Chorsängerinnen abzuheben, gelang dies Mezzosopranistin Ursula Eittinger überzeugend. Das Orchester, ausser den Cellisten alle stehend,

PinnockTrevor_c_Peer-Lindgreen

PinnockTrevor_c_Peer-Lindgreen

der Dirigent auf dem Cembalo spielend Harmonien setzend, liess uns hineingleiten in Purcells Welt der „Fairy Queen Z. 629“. Die Basler besonders beeindruckend in den leisen Passagen und mit überragenden, präzis gesetzten Bläsereinwürfen. Pinnock führte seine Mitmusiker mit fast unmerklichen Bewegungen aus den Handgelenken und Fingerzeigen, auf grosse ausholende Gesten konnte, oder wollte er verzichten. Gemeinsam mit den Sängerinnen boten sie eine überzeugende Darbietung dieses, relativ selten programmierten Werkes aus der Zeit vor dem Siegeszug der italienischen Oper in Grossbritannien. Die litauische Sopranistin steigerte sich kontinuierlich und brillierte im Duell mit dem Oboisten Matthias Arter , welcher dafür am Schluss einen Extraapplaus entgegen nehmen durfte. So überzeugte der erste Konzertteil das Publikum, welches mit Applaus nicht sparte und sich anschliessend gutgelaunt in die Pause begab.

Lauryna Bendziunaite, Sopran

Lauryna Bendziunaite, Sopran

Zweiter Konzertteil mit Felix Mendelssohns Sommernachtstraum, komponiert im zarten Alter von grad mal 17 Jahren. Frenetisch applaudierend empfing das Auditorium die auf die Bühne zurückkommenden Musiker und natürlich besonders den sich dazugesellenden Klaus Maria Brandauer. Dieser rezitierte dann auch gleich zwei Sätze, setzte sich nachher auf einen Stuhl, vermeintlich vor sich hindösend, während das Orchester die Ouvertüre zügig intonierte. Alle irgendwie unschlüssig, ob Brandauer wirklich eingenickt war, oder das nur spielte. Die Frage wurde dann schnell geklärt, brachte er sich doch als aufgeweckter Sprecher wieder ein und zurück ins Geschehen, in dem er auch zügig das Diktat übernahm und die Szene beherrschte. Zwischendurch wurde auch wieder musiziert, was aber, leider, fast etwas zur Nebensächlichkeit verkam und fast unterging. Zu dominant war Brandauer bei seinen Monologen und bot, fast dozierend,   eine Lehrstunde der Schauspielkunst mit allen Facetten der Sprachgewalt, Mimik und Gestik. Fast irritierend präsent erdrückte er seine Bühnenpartner. Als er dann auch noch improvisierte, hatte er den Konzertsaal endgültig monopolisiert und erstaunt nahm man zur Kenntnis, wieviel Platz eine einzelne Person beanspruchen kann. Spielerisch deutete er dann sogar ein kleines Tänzchen mit dem Dirigenten an, was dieser amüsiert mitmachte. Dann aber meldete sich das Orchester mit dem bekannten Hochzeitsmarsch tongewaltig zurück und übernahm das Zepter wieder, was der Burgtheatermime mit den Worten schön, immer wieder schön quittierte.

Ursula Eittinger Mezzosopran

Ursula Eittinger Mezzosopran

Weiter gings mit dem Zwischenspiel Melodram, bevor Brandauer zum Rüpeltanz bat, bestens dargeboten von den dazu herausgeforderten Instrumentalisten, wiederum gefolgt von einem Melodram, dem das grosse Finale mit allen Sängerinnen folgte, wo dann die Solosopranistin noch einen Glanzpunkt setzte, der das Gleichgewicht von Text und Musik wieder einigermassen ins Lot brachte.

Ein spezieller Abend der neue Akzente setzte und bei dem die Aufführenden mit   einer Standing Ovation belohnt wurden.

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch

kammerorchesterbasel.ch/de/orchester/

 

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