Lucerne Festival im Sommer 2015: Sinfoniekonzert 17, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, François-Xavier Roth, Dirigent, Sabine Meyer, Solistin Klarinette, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Besetzung und Programm:

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg François-Xavier Roth, Dirigent Sabine Meyer, Solistin Klarinette

György Ligeti (1923-2006) Lontano für grosses Orchester

Márton Illés (*1975) Re-akvarell für Klarinette und Orchester
(Auftragswerk von LUCERNE FESTIVAL und des Norddeutschen Rundfunks | Uraufführung)

Béla Bartók (1881-1945) Konzert für Orchester Sz 116

 

 

Rezension:

 

Man hätte dem SWR Symphonieorchester Baden-Baden und Freiburg an seinem allerletzten Konzert einen etwas besser besetzten Saal gewünscht. (Ab nächstem Jahr fusioniert es mit dem Radio Sinfonieorchester Stuttgart). Am ausgezeichneten Ruf des Orchesters konnte es nicht liegen und schon gar nicht an der hochkarätigen Solistin Sabine Meyer an der Klarinette. Aber es gab wohl gleich mehrere Gründe für das Wegbleiben der Besucher: Ein vielleicht letzter wunderschöner Sommersonntag, die Tatsache, dass es sich um eine Matinée handelte und ein nicht ganz so gängiges Programm mit Werken von Ligeti und Bartok, dazu eine Uraufführung des jungen ungarischen Komponisten Màrton Illés.

 

Sabine Meyer, Solistin Klarinette_c_Thomas Rabsch

Sabine Meyer, Solistin Klarinette_c_Thomas Rabsch

Wer sich an diesem hochsommerlichen Sonntag ins kühle KKL gewagt hatte, erlebte ein musikalisches Ereignis der Sonderklasse. Das Konzert begann mit «Lontano» für grosses Orchester von György Ligeti, einem einsätzigen Orchesterstück, welches der Komponist im Auftrag des Südwestfunks Baden-Baden geschrieben hatte. Mit den ersten Tönen fühlte man in eine andere Welt versetzt. Der Dirigent François-Xavier Roth liess das grosse Orchester zeitweise wie auf Zehenspitzen daherkommen. Das sanfte, sphärische Flimmern erinnerte an eine Fata Morgana, die Töne schienen im Saal zu schweben, schoben sich heran, flirrten im Raum, die brummenden Bässe legten sich darunter wie Motorengeräusche. Der Klangteppich schwoll an, fiel in sich zusammen und bäumte sich ein letztes Mal auf, bevor er in einem einzigen Ton, lediglich einem schwachen Summen, endete und dabei einmal mehr die fantastische Akustik des Weissen Saals unterstrich.

Im Auftrag von Lucerne Festival schrieb Màrton Illés «Re-akvarell», ein Konzert für Klarinette und Orchester. Er widmete das Werk dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sowie der Klarinettistin Sabine Meyer. Zwei langsame Sätze rahmen einen schnellen. Neben sechs Hörnern und unzähligen Holzbläsern werden Harfe, Klavier, Akkordeon und drei Schlagzeuge eingesetzt, trotzdem kommt das Stück leichtfüssig und filigran daher. Die Solistin Sabine Meyer spielte oder wob vielmehr anfänglich über mehrere Takte einen einzigen Ton, übergab diesen ans Orchester, welches daran weiter spann, reihte sich wieder ein, nur um sich gleich wieder herauszuschälen und eine neue Melodie zu kreieren. Manchmal stiegen die Töne wie Seifenblasen aus ihrem Instrument, manchmal fragte man sich, wie sie diese aus ihrem Instrument herauszauberte. Das Orchester griff ihre Melodien immer wieder auf, fiel in sich zusammen, ein gegenseitiges Anspornen, das sich ins Atemlose steigerte. Wie Wellen rollten die Akkorde an, ein Aufschrei des Orchesters, rasende Läufe der Solistin und ein letztes Verlöschen. Das Publikum feierte begeistert den Komponisten, die Solistin, das Orchester und den Dirigenten.

 

Als letztes Stück folgte nach der Pause Béla Bartoks Konzert für Orchester, eines seiner bekanntesten Stücke und zugleich eines der zugänglichsten. Das Werk trägt den Namen Konzert, weil die einzelnen Instrumente mehrheitlich solistisch eingesetzt werden. Wehmütige, pathetische Momente wechselten sich mit tänzerischen und humorvollen Passagen. François-Xavier Roth konnte mit dem SWR Sinfonieorchester aus dem Vollen schöpfen, eine mitreissende, kraftvolle und temporeiche Interpretation.

 

Mit einer Schubert-Zugabe verabschiedete der Dirigent das Orchester, das, so seine dem Publikum zugewandte Bemerkung, als Vertreterin der Avantgarde nach Ansicht einiger Politiker «überflüssig» geworden sei.

Abschliessend feierten die Konzertbesucher die Süddeutschen Musiker mit langanhaltendem Applaus und einer Standing Ovation.

 

Text: www.gabrielabucher.ch

 

Fotos: www.lucernefestival.ch

 

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