Saisoneröffnung des Luzerner Sinfonieorchesters LSO, Der «Ring» ohne Worte, 14. Oktober 2015, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Sinfonieorchester, Bild Christian Flierl

Luzerner Sinfonieorchester, Bild Christian Flierl

Programm und Besetzung:

Luzerner Sinfonieorchester LSO

James Gaffigan, Chefdirigent

Nelson Freire, Solist am Klavier

Sergej Rachmaninoff (1873 – 1943)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 g-Moll op. 40
Richard Wagner (1813 – 1883)
Der «Ring» ohne Worte (arr. von Lorin Maazel)

Allgemeininformationen über Werke und Protagonisten:

Besonderes war programmiert zum Saisoneröffnungskonzert des Luzerner Sinfonieorchesters. Es ist die bereits 120ste Saison des im Jahre 1806 gegründeten ältesten Sinfonieorchesters der Schweiz, das, ziemlich ungewöhnlich, als Verein organisiert ist. Einerseits im ersten Teil des Konzertes ein Werk von Sergej Rachmaninow, der auf der Rigiseite des Vierwaldstättersees in Hertenstein in den 1930er Jahren wohnte, andererseits im zweiten Konzertteil Werke von Richard Wagner der auf der Pilatusseite des Sees in Tribschen von 1866 – 1872 residierte. Dazu als Solist der brasilianische Pianovirtuose Nelson Freire (*1944), der sich relativ selten die Ehre gibt. Wie meine Begleiterin wusste, nahm die argentinisch/schweizerische Grande Dame der 88 Tasten Martha Algerich (*1941) den jungen Freire in den 1970er Jahren unter ihre Fittiche, er lebte sogar in ihrer Stadtvilla in Genf. Diese Freundschaft hat sich bis in die heutige Zeit erhalten, sind die beiden doch noch ab und zu als Klavierduo auf den grossen Konzertbühnen dieser Welt zu erleben. Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4 wurde am 18. November 1926 in Philadelphia vom Komponisten selbst uraufgeführt. Die öffentliche Reaktion auf das Konzert fiel ähnlich verheerend aus wie bei seiner Sinfonie Nr. 1, erst die definitive Version, gekürzt auf ca. 25 Minuten Spieldauer, erreichte eine grössere Popularität, aber, zu Unrecht, nie den Status der drei vorangehenden. Den einen war sie zu wenig modern, den andern genau das Gegenteil. Sicher sind Einflüsse der amerikanischen Musik (Jazz) zu erkennen, wahrscheinlich hat auch George Gershwins Rhapsody in Blue Rachmaninow inspiriert, deren Uraufführung er ja am 12. Februar 1924 in der Aeolian Hall in New York live erlebt hatte.

Rezension:

Nelson Freire, Solist am Klavier

Nelson Freire, Solist am Klavier

Genau diese Rhythmen schienen Nelson Freire besonders zu liegen, überzeugte er doch gerade im mittleren Satz, wo der Solist relativ grosse interpretische Freiheiten geniesst, zudem dürfte dieser etwas weniger „düstere“ Rachmaninow seinem südamerikanischem Naturell entgegenkommen. Das abschliessende Allegro vivace gewährte dann dem brillanten Begleitorchester etwas mehr Raum, ohne dass es den Pianisten überdeckte. Das Publikum würdigte das kongeniale Zusammenspiel denn auch dementsprechend, Freire liess sich aber nicht zu einer Zugabe bewegen.

Gespannt auf den von Lorin Maazel (1030 – 2014) arrangierten „Ring ohne Worte“ kehrte man gutgelaunt aus der Pause zurück in den Saal. Lässt sich Richard Wagners fast fünfzehnstündiger Ring des Nibelungen auf die Länge einer Bruckner-Symphonie zusammendrängen, bei völligem Verzicht auf das gesungene Wort? Diese Frage beantwortete das von James Gaffigan geführte Sinfonieorchester auf überzeugende und faszinierende Weise, vor allem auch dank hervorragenden Instrumentalsolistinnen, die dabei die Stimmen ersetzten und vergessen liessen.

James Gaffigan, Chefdirigent

James Gaffigan, Chefdirigent

Gaffigan packte Wagner mal dramatisch an, raffiniert aber auch mal mit Samthandschuhen. Besonders aufgefallen: Solohornist Florian Abächerli, der den heiklen Part in Siegfrieds Götterdämmerung in einer Echokammer auf der Galerie intonierte. Lukas Christinat blies in ein richtiges Stierhorn, auch Barbara Zumthurm-Nünlist mit dem Englischhorn zählt zum ausgezeichneten Bläserensemble, welches Gaffigan mit Gesten während des Applauses auch besonders hervorhob.

Als die Götterdämmerung verklungen war, herrschte sekundenlange atemlos- andächtige Stille bis es dem ersten dämmerte, dass der Ring geschlossen ist. Dann wich die ganze Anspannung einem frenetischen, langanhaltenden Applaus. Bei solch hervorragenden Darbietungen könnte man glatt zum Wagnerianer mutieren, ohne auf grünen Hügel pilgern zu müssen.

Kurzer Trailer des Luzerner Sinfonieorchesters LSO

youtube.com/watch?v=2oAW9cmRsX0

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

Homepages der andern Kolumnisten: www.irenehubschmid.ch

www.marvinmueller.ch www.gabrielabucher.ch
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