Lucerne Festival am Piano: Rezital 5 Jean-Yves Thibaudet, 28. 11. 2015, besucht von Léonard Wüst

KKL in Luzern Konzertsaal Galerie

KKL in Luzern Konzertsaal Galerie

Programm:

Robert Schumann (1810-1856)
Kinderszenen op. 15
Klaviersonate Nr. 1 fis-Moll op. 11

Maurice Ravel (1875-1937)
Pavane pour une Infante défunte

Miroirs

Rezension:

Jean-Yves Thibaudet wirkt im ersten Moment eher etwas scheu und zurückhaltend wenn er die Bühne betritt, was aber sofort wie weggeblasen ist, wenn er am Konzertflügel Platz nimmt.

Jean-Yves Thibaudet

Jean-Yves Thibaudet

Für den ersten Konzertteil entschied er sich für Werke von Robert Schumann, einem Landsmann seines Vaters, für den zweiten fiel die Wahl auf Kompositionen von Maurice Ravel, einem Kompatrioten seiner Mutter.

Er begann bereits im Alter von fünf Jahren Klavier und Geige zu spielen. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte er mit sieben und sein erstes Konzert mit neun Jahren. Mit 12 Jahren trat er dem Pariser Konservatorium bei und studierte bei Aldo Ciccolini und Lucette Descaves. Drei Jahre später gewann er den Premier Prix du Conservatoire.

Schumanns Kinderszenen liegen dem feinfühligen Franzosen, und er präsentierte sie präzis in Betonung, Tempi und Variation. Sei es , wenn er fröhlich, neugierig und leichtfüssig von fremden Ländern und Menschen tastentechnisch parliert, ob er kuriose Geschichten relativ zackig abhandelt, bis er des Glückes genug in die „Träumerei“ gerät, dies aber doch nicht fast zu ernst. Er kann aber auch grollend das Fürchten machen, wenn das Kind am Einschlummern ist und erklärt dann, dass dies keine Komposition für Klaviereleven sei, sondern, wie Schumann einmal ausführte: „Rückspiegelungen eines Älteren und für Ältere“. Die Kinderszenen schrieb Schumann innerhalb weniger Wochen Anfang 1838.

Thibaudet verwob die 13 Szenen zu einem harmonischen Ganzen, bei ihm lief nicht alles auf die „Träumerei“ hinaus, sondern jedes der Werke bekam das gleiche Gewicht. Schumann übrigens, nannte sie „die kleinen putzigen Dinger“ (aus einem Brief des Komponisten vom 19. März 1838, nach Abschluss der Komposition, an Clara Wieck, seine spätere Ehefrau).

Mit der Klaviersonate Nr. 1 ging Schumann völlig neue, eigenständige Wege, nicht an Beethoven oder Schubert angelehnt. Dies er- und anerkannten auch Zeitgenossen wie Hector Berlioz und Franz Liszt. Schumann veröffentlichte das Werk zuerst 1836 unter dem Titel „Pianoforte Sonate, Clara zugeeignet von Florestan und Eusebius, den zwei Alter Ego des Komponisten. Das Werk, so Schumann später, sei „ein einziger Herzensschrei nach Clara Wieck“, deren Vater auf rigide Art jeglichen Kontakt zwischen den beiden unterbunden hatte. Erst die Neuausgabe 1840 erschien unter dem wahren Namen des Verfassers.

Thibaudet stieg mit etwas mehr als Allegro vivace in die Introduzione, auch relativ expressiv, entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten, trotzdem wie immer etwas distanziert reserviert. Je weiter im Werk, umso mehr näherte er sich den Ideen des Komponisten an, legte dessen Intuitionen offen, besonders deutlich in der Aria. Im Scherzo hüpfend verspielt, im Lento majestätisch daher schreitend, pompös ausladend aber nicht ausufernd überbordend. Einem furiosen Finale als grandiosem Abschluss des ersten Konzertteils spendeten die Zuhörer stürmischen Applaus und entliessen den Protagonisten erst nach geraumer Zeit in die wohlverdiente Pause. Als Start in den zweiten Teil des Abends intonierte Thibaudet Ravel`s „Pavane pour une infante défunte“ ohne Tristesse, eher fast tänzerisch beschwingt, perlend überbordend, dann kurz mal düster abgründig, bevor er uns, musikalisch, in die fünf Sätze der Spiegel blicken liess. Entspannt, manchmal gar zurücklehnend, durchmass er Ravels wegweisende Komposition, französische Eleganz und Contenance ausstrahlend, ruhig, in sich ruhend, dann wieder seine instinktive Spielfreude aufblitzen lassend. Dass dies alles scheinbar mühelos und natürlich technisch perfekt daher kam, setzen wir bei einem Künstler seiner Klasse sowieso ganz selbstverständlich voraus. Das Publikum zollte dem Gebotenen den entsprechenden Tribut in Form eines langanhaltenden starken Applauses, für den sich Thibaudet schlussendlich noch mit einer Zugabe bedankte. Ein weiteres eindrücklich grossartiges Rezital am diesjährigen Lucerne Festival am Piano, das wahrlich nicht arm an Höhepunkten war und schon Vorfreude auf die nächste Ausgabe weckt.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.lucernefestival.ch

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