Lucerne Festival im Sommer 2016, Erlebnistag – Konzert 5 Chamber Orchestra of Europe | Anu Tali | Yulianna Avdeeva, 21. August, besucht von Léonard Wüst

Chamber Orchestra of Europe

Chamber Orchestra of Europe

Besetzung und Programm:

Chamber Orchestra of Europe

Anu Tali  Dirigentin  Yulianna Avdeeva  Klavier

Eduard Tubin (1905–1982)
Estnische Tanzsuite

Frédéric Chopin (1810–1849)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll op. 11

Sergej Prokofjew (1891–1953)
Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 25 Symphonie classique

Rezension:

Es gab etliche Premieren an diesem Abend. Zum ersten Mal überhaupt, gelangten Werke des estnischen Nationalkomponisten Eduard Tubin (1905–1982) am Lucerne Festival zur Aufführung. Dabei stand im Konzertsaal des KKL mit Anu Tali (*1972), dessen Landsfrau, erstmals in Luzern am Dirigentenpult. Auch die russische Solistin am Piano Yulianna Avdeeva (*1985) bestritt ihr Debut. Die einzige Konstante an der Besetzung war das, im Jahre 1981 gegründete, routinierte Chamber Orchestra of Europe (COE).

Anu Tali Dirigentin

Anu Tali Dirigentin

Tubin bediente sich für viele seiner Kompositionen, wie z.B. auch Bela Bartok in Ungarn, Motiven aus Volksliedern seines Heimatlandes. Schön konstruierte Melodienbogen aufsteigend in höchste Lagen, abstürzend in tiefste Bässe, wechselten mit abrupten Tempowechseln, die Orchestrierung stark bläserlastig, kamen doch auch in der estnischen Volksmusik vor allem Blasinstrumente zum Einsatz. Dirigentin Anu Tali akzentuiert sehr viel mit dem Oberkörper, vor allem mit den Schultern, gibt sehr energisch die Marschrichtung an. Mit deutlich erkennbarer Gestaltungsfreude offerierte sie uns die estnische Musik, da schimmerte auch eine gehörige Portion Nationalstolz durch. Entsprechend enthusiastisch wurden die Protagonisten vom Auditorium mit Applauskaskaden überschüttet, was Anu Tali emotional sehr nahe ging, verdrückte sie sich doch eine Träne. In der kurzen Pause wurde der Konzertflügel von fleissigen Helfern auf seinen Platz gerollt, für das folgende Klavierkonzert Nr. 1 von Frédéric Chopin. Anu Tali kehrte zusammen mit Solistin Yulianna Avdeeva auf die Bühne zurück und geleitete das Orchester in die Partitur, während die russische Pianistin, gespannt wie die Sehne eine Pfeilbogens, auf dem Klavierschemel sitzend, ihren Einsatz abwartete. Leider übertrug die Dirigentin die Opulenz der Estnischen Tanzsuite etwas in Chopins Werk, das deshalb zuerst etwas mächtig daher kam.

Yulianna Avdeeva, Solistin am Klavier

Yulianna Avdeeva, Solistin am Klavier

Dank der Souveränität, der Virtuosität und dem gestalterischen Können der aufstrebenden, sich an die absolute Weltklasse herantastenden Yulianna Avdeeva, hielt sich das leichte Erstaunen, damit der etwas getrübte Hörgenuss, in Grenzen. Das Publikum jedenfalls liess sich nicht davon abhalten, diese Pianosternstunde stehend zu applaudieren und die Protagonisten ausgiebig zu feiern. Die das Konzertprogramm abschliessende Sinfonie Nr. 1 von Sergej Prokofjew, war dann noch ein Schaulaufen der Künstler, die all ihre Qualitäten präsentieren und ihrer Spielfreude freien Lauf lassen konnten. Das Auditorium genoss und würdigte dieses ungewöhnliche Konzerterlebnis mit einem kräftigen, langanhaltenden Schlussapplaus.

Fazit: Sie war prima, diese Donna, auch die Donna am Piano entsprach voll dem Festivalmotto «Prima Donna».

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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