Stadttheater Sursee, Die Fledermaus, Première 14. Januar 2017, besucht von Léonard Wüst

Von Eisenstein, links, Dr. Falke rechts, inmitten der Ballgäste bei Prinz Orlofsky

Produktionsteam  und Besetzung

www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512797

www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512798    www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512800    www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512801

www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512802

www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512803

Rezension:

Grundsätzliche Basisinformationen: Sie scheinen das Gen intus zu haben, alles immer richtig zu machen, die Verantwortlichen der Fledermausinszenierung. So wurde die Handlung der Operette, ursprünglich aufgeteilt in drei Akte, verteilt auf zweimal anderthalb Akte. Eine sehr gute dramaturgische Entscheidung, wurde doch durch minimale, nichts verfälschende Kürzungen, das Werk gestrafft, damit eine zügige Aufführung ohne Längen und Durchhänger ermöglicht. Raffiniert umgesetzt, indem man trotzdem drei tolle Bühnenbilder verwendete, somit das Geschehen in Orlofskys Salon, je ca. zur Hälfte dem ersten, die andere dem dritten Akt zufügte.

Die Premierengäste sitzen gespannt im Saal, letzte Handys werden ausgeschaltet, der Saal verdunkelt, die unverwechselbare Ouvertüre der auch Champagneroperette genannten „Fledermaus“  erklingt in der perfekten Lautstärke, dann hebt sich der Vorhang. Im Salon des Herrn von Eisenstein dirigiert das Hausmädchen Adele (die quirlig, wirblige Stefanie Gygax als klassische Soubrette) die ihr unterstellten Bediensteten, die von den Damen des Ballets gespielt werden. Damit, zur Zufriedenheit der Herrschaft, auch alles blitzblank sauber ist, wird im Walzertakt Staub gewischt. Schon erklingt die gesangliche Introduktion durch  Adele und Alfred. Es folgen Schlag auf Schlag die bekannten Duette, Terzette usw. die Strauss in den ersten Aufzug geschrieben hat. Beschaulicher dann die Szenerie des zweiten Aktes, der in der Villa des Prinzen Orlofsky spielt. Diesen hat Isabelle Ruf mit einem Countertenor besetzt, nicht mit einem Mezzosopran als „Hosenrolle“, wie ursprünglich von Strauss angedacht. Orginalzitat der Dirigentin: Stefan Wieland ist Counter Tenor, das wirkt dann wie eine Damenstimme. Er studiert an der Hochschule Musik-Luzern, so können wir die Zusammenarbeit intensivieren, und er kann Erfahrungen sammeln. Witziger Effekt: Stefan hat eine tiefe Sprechstimme. Betreffend Orchesterbesetzung und Partitur erläutert Isabelle Ruf: Evi Güdel-Tanner hat dieses Jahr das Notenmaterial neu geschrieben, da die Noten kaum mehr lesbar waren. Dann hat sie gleichzeitig fehlende Stimmen (z. Bsp. Horn, Posaune, zweite Flöte, zweites Fagott etc.) in andere Instrumente umverteilt. (Zitatende). Zurück zur Inszenierung:

Orlovsky thront auf einer Pyramide (gebildet u.a. aus 338 aufgereihten Champagnergläsern, die dann kaskadenmässig mit ca. 300 Litern Flüssigkeit befüllt werden), wie der Vizepräsident des Stiftungsrates und Präsident der Musik- und Theatergesellschaft, Daniel Gloor, mir anlässlich der Hauptprobe erläuterte.

Der Prinz lässt sich huldigen und scheint  trotzdem gelangweilt. Während sich die geladenen Gäste amüsieren, inszeniert Dr. Falke seine „Rache der Fledermaus“ (der eigentliche Originaltitels des Werks), so hoffend, die ihm von Eisenstein einst zugefügte Schmach zu tilgen. Mit dem Couplet – „Ich lade gern mir Gäste ein“ setzte hier Stefan Wieland ein Ausrufezeichen und ebenfalls eine Glanzpartie für Rosalinde mit dem Csárdás „Klänge der Heimat“ und auch der Chor, sowie das Ballett kommen im zweiten Akt ausreichend zur Geltung. Hier liess Regisseur Björn B. Bugiel einen goldenen Glitter Regen auf das Ensemble herabrieseln. Das Premierenpublikum, gut gelaunt und ebenso gut unterhalten, sparte nicht mit ausreichend Szenenapplaus, der die Akteure sichtlich zusätzlich motivierte. Nach dem kurzen Vorhang dann die Szenerie im Gefängnis, wo der, von Gefängisdirektor Frank irrtümlich arretierte Alfred, noch immer einsitzt und singend nach juristischem Beistand verlangt. Dies bringt aber den trotteligen Gefängniswärter Frosch ordentlich in Rage, was er auch dementsprechend kund tut. Es herrscht ein Kommen und Gehen, Irrtümer werden ausgeräumt, andere entstehen neu. Nach und nach hat das Verwirrspiel dann doch noch ein einigermassen gutes Ende. Alle Protagonisten versammeln sich im Gefängnis, das Verwirrknäuel wird singend, mit dem Ohrwurm „Oh Fledermaus, oh Fledermaus“ aufgelöst und alle sind, wie es sich am Ende einer Operette gehört, glücklich und zufrieden. Frosch setzt sich zum krönenden Abschluss noch auf Orlofskys Thron. Das Publikum war hingerissen, belohnte die Akteure nicht „nur“ mit einer stehenden Ovation, sondern auch noch mit mehreren Vorhängen.

Nachtrag:

Beteiligt sind an der Produktion ca.160 Personen, 20% der Aufführungen waren schon vor der Première ausverkauft. Da in den letzten Jahren einige neue Solisten zum Ensemble gestossen sind, pilgern nun auch deren Familien, Freunde und Fans nach Sursee an die Operette, sodass auch im Publikum, nebst den jahrzehntelangen, treuen Operettenbesucher, auch des Öftern neue Gesichter zu sehen sind. Die Kontinuität ist also gewährleistet, ohne sich Neuem zu verweigern. So ist auch mit der „Fledermaus“ erstmals schon fast eine Oper auf der Sursees Brettern zu bestaunen, angeregt und vorgeschlagen von Isabelle Ruf – Weber, der obersten, künstlerisch Verantwortlichen, des Stadttheaters Sursee. Dies ist, wie im der Saison 2001/02 mit „Kiss me Kate“ als erste Aufführung eines modernen Musicals, ein Schritt in eine andere Richtung, eine Öffnung Richtung weiterer anspruchsvoller Herausforderungen, weiterer musikalischer Leckerbissen, die den Vergleich mit professionellen Bühnen nicht zu scheuen brauchen. Ermöglicht wird dies nur dank des herausragenden Engagements sämtlicher Beteiligten, ob auf der Bühne in der Rolle als singender, strahlender Liebhaber, ob an der Garderobe als immer freundliche, hilfsbereite Hintergrundhelferin, ob fast „unsichtbar versenkt“ im Orchestergraben, ob als Beschaffer der notwendigen pekuniären Mittel. Eine jede tut mehr als nur das Nötigste, um diese Erfolge zu realisieren. Eine weitere, besonders grosse, Perle ist damit aufgereiht an der Schnur der Erfolgsgeschichte der wohl besten Semi – professionellen Musik – Theaterbühne der Schweiz. Auch nächstes Jahr wird mit der Inszenierung von „Boccaccio, oder Der Prinz von Palermo“, einem Werk von Franz von Suppé, gar ein Schritt in Richtung Oper getan.

Text  www.leonardwuest.ch

Fotos: stadttheater-sursee.ch/willkommen

Kleine Fotodiashow der Produktion von Roberto Conciatori:

fotogalerien.wordpress.com/2017/01/15/die-fledermaus-von-johann-strauss-eigenproduktion-der-musik-und-theatergesellschaft-sursee/

Eine kleine Geschichte die das Theaterleben schrieb von Gabriela Bucher – Liechti: die „Zimmis und die Operette“:

innerschweizonline.ch/wordpress/geschichten-die-das-leben-schrieb-die-zimmis-stadttheater-sursee-von-gabriela-bucher-liechti/

Homepages der andern Kolumnisten: www.marvinmueller.ch  www.irenehubschmid.ch

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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