Orchestra Filarmonica della Fenice KKL Luzern, 16. Januar 2017, besucht von Léonard Wüst

Orchestra Filarmonica della Fenice

Besetzung und Programm:

Orchestra Filarmonica della Fenice

John Neschling (Leitung)
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)

Konzertprogramm

Gioacchino Rossini
Ouvertüre zur Oper „Semiramide“
Richard Wagner
„Wesendonck-Lieder“
Sergei Rachmaninow
Sinfonische Tänze op. 45

Rezension:

Das renommierte Orchester aus der Lagunenstadt, geführt von einem brasilianischen Dirigenten, der zudem noch der Grossneffe Arnold Schönbergs ist, mit Werken von Rossini, Wagner und Rachmaninow, wahrlich eine ungewöhnliche Konstellation, ermöglicht durch das Migros – Kulturprozent – Classics. Der Konzertsaal im KKL in Luzern war denn auch gut besetzt durch reichlich erwartungsfreudige Konzertgänger. Gestartet wurde mit der Ouvertüre von „Semiramide“, der letzten Oper, die Rossini für Italien komponierte, bevor er 1823 nach Paris zog. Jagdhörner prägen den Klang, ergänzt von relativ viel Pizzicato der Streicher.

John Neschling (Leitung)

John Neschling führte das ihm anvertraute Ensemble gestenreich schwungvoll durch die drei Sätze, mit exakt getimten Gesten die Feinheiten herauskitzelnd. Schön, dass er das doch recht opulente, üppige  Werk nicht noch mit zu viel Pomp und Vibrato Effekten „verzuckerte“. Dafür durften die Musiker, besonders die Bläser, einen langanhaltenden Applaus geniessen. John Neschling verliess kurz die Bühne, um die Solistin des Abends, Mezzosopranistin Vasselina Kasarova (*1965), auf die Bühne zu bitten, für die nun folgenden „Wesendonck – Lieder“ von Richard Wagner. (Das Beste, das ich je geschrieben habe, so das Zitat des Komponisten) Wagner schrieb diese parallel zu seiner Arbeit an „Tristan und Isolde“, verwendete deshalb auch einige Motive davon in den Liedern. Ein sehr abrupter Paradigmenwechsel vom unbeschwert fröhlichen „Rossini“ zum ernsten „Wagner“. Kein Problem für das Orchester, für die Sängerin sowieso nicht und auch das Auditorium schaffte den Spagat und genoss die nachdenklicheren Töne.

Solistin Vesselina Kasarova c br-klassik.de

Gewohnt engagiert und souverän die gebürtige Bulgarin. Hochkonzentriert intonierte sie die Reime der Förderin und Geliebten Richard Wagners. Eindrücklich auch ihre sehr präzise Aussprache, unterstützt durch entsprechende Gesten und Mimik. Für ihre Leistung genossen die Protagonisten langen, starken Applaus, der sie immer wieder auf die Bühne zurückholte. Schlussendlich wurden sie dann doch in die wohlverdiente Pause entlassen.

Im zweiten Konzertteil die „Sinfonischen Tänze“ von Rachmaninow, die eher eine, nicht als solche deklarierte, veritable Sinfonie sind, denn eine Abfolge von Tänzen. Zu Beginn Schlagwerk und Fanfaren, gefolgt von Streichern, die wie ein Reiterheer über die Steppe fegten. Ungewohnt im Mittelteil das Alto Saxophon, das eine archaisch anzuhörende Melodie anstimmt, die im weiteren Verlauf auch vom Fagott übernommen wird. (Saxophone wurden damals selten eingesetzt in der klassischen Musik, Georges Bizet bestätigt, als Ausnahme, diese Regel, besonders bei seinem „Boléro“) Der Komponist adaptierte einige Motive früherer Themen, so auch aus seiner 1. Sinfonie, die bei ihrer Première 1897 durchgefallen war. Erst im zweiten Satz erscheint ein Walzer, als einziger „richtiger“ Tanz. Aber nicht etwa leichtfüssig, zu wehmütig schicksalshaft das vom Englischhorn vorgetragene Hauptthema, ein Abgesang auf eine untergegangene Epoche, wie es auch die Kritiker der Uraufführung empfanden. Die „New York Times“ sah dieses Werk gar in „tiefes Violett getaucht“. Der Russe schrieb auch eine kurze Sequenz eines Glockenspiels, wie auch für Xylophon ins Werk. Es war auch die letzte „grosse“ Komposition Rachmaninows, die auch heutzutage selten aufgeführt wird. Umso mehr genoss man die Interpretation durch die Venezianer, die vom Dirigenten zügig engagiert umgesetzt wurde. Das Publikum belohnte die Künstler mit langanhaltendem, stürmischem Applaus, die einzelnen Sektionen, vom Dirigenten zum kurzen Erheben aufgefordert, genossen ihren Spezialapplaus.

Daraufhin krönten die Protagonisten das Konzert noch mit der „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“, womit der Konzertabend die perfekte Abrundung erhielt.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home

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