Schauspiel „The Situation“ Eine paradoxe Situation mitten in Berlin

Schauspiel „The Situation“

2016 wurde The Situation zum „Stück des Jahres“ gekürt. Die Bregenzer Festspiele zeigen das Schauspiel eine Woche nach Festivalstart im Kornmarkttheater.

Der arabisch-israelische Schauspieler Yousef Sweid, manchem aus der Erfolgsserie Game of Thrones bekannt, spielt Amir. Im Wochenpost-Interview spricht er über seine Biographie, Realität und Fiktion und darüber, dass er inzwischen weiß, wo Bregenz liegt.

Im Berliner Stadtteil Neukölln treffen in einem Deutschkurs Palästinenser, Israelis und Syrer aufeinander. Der Konflikt, dem alle entfliehen wollten, findet nun mitten in Berlin seine paradoxe Fortsetzung.

Die Stücke der Regisseurin Yael Ronens entstehen von Anfang an in enger Zusammenarbeit mit dem Ensemble, so auch The Situation. Wie ist das als Schauspieler so in den Entstehungsprozess eingebunden zu sein? Ich habe mit Yael schon zuvor zusammengearbeitet. Deshalb kenne ich ihr System. Ich liebe ihre Art zu arbeiten. Über einen Monat lang gibt sie uns Recherchearbeiten. Das ganze Team ist vereint und erforscht zusammen das Thema. Wir reden, diskutieren und erzählen uns viel Persönliches. Und wir improvisieren. Probieren vieles aus. Greifen Geschichten aus unseren eigenen Leben auf und spielen damit. Dabei entstehen interessante Szenen. Yael gibt uns Input und bringt die Szenen auf eine Ebene zu der jeder eine Beziehung aufbauen kann. Als Beispiel, bei den Proben zu The Situation improvisierten wir einen Streit zwischen einem Palästinenser und einem Israeli, natürlich über den Nahostkonflikt. Yael meinte, wir sollen den Konflikt mit dem Streit eines Ehepaares, das sich einfach nicht mehr erträgt, vergleichen. So entsteht das Stück Szene für Szene.

Sie spielen die Rolle des Amir. Wie viel von Ihnen und Ihrer Biographie steckt in Amir? Amir ist mir sehr ähnlich. Er ist zwar aggressiver als ich und hadert mehr mit der neuen Sprache, seine Biographie ist aber eng mit meiner verknüpft. Er war in seiner Heimat ein berühmter Schauspieler. Seine Besonderheit: Er war der palästinensische Star in einer jüdischen Community. Das ist mein Leben. Wie er war auch ich auf den Covern einiger großer Hochglanzmagazine in meiner Heimat. In Berlin muss sich Amir neu erfinden, sich fragen „was kann ich in Berlin sein“. Auch damit musste und muss ich mich noch auseinandersetzen.

Ist es nicht schwierig, so viel von seinem eigenen Leben auf der Bühne zu zeigen? Ja, wir verwenden unsere Biographien als Basis für das Stück. Wir bringen aber keine reinen Wiedererzählungen unserer Geschichten auf die Bühne. Wir wählen sehr bewusst aus, was in der Inszenierung verwendet wird. Teile unseres Lebens werden so zu einem theatralen Werk. Unsere Leben verwandeln sich dadurch zu Kunst. Vieles, was man auf der Bühne sieht ist Fantasie. Und vieles ist Realität. Das Spiel auf der Bühne ist für mich deshalb nicht wirklich schauspielen, da ich ja in Teilen genauso bin wie ich bin. Trotzdem bleibt es Schauspielerei. Die Realität verschwimmt mit der Fiktion, fast wie in der Politik heutzutage.

Warum ist gerade Berlin der Handlungsort von The Situation? Berlin ist der Ort an dem alle Ensemblemitglieder – mit Ausnahme von Dimitrij Schaad – als erstes angekommen sind. Wir sind aus Israel, Palästina und Syrien gekommen. Und die meisten von uns haben tatsächlich in Neukölln, wo auch das Stück angesiedelt ist, gewohnt. Wenn du durch Berlin spazierst hörst du so viele verschiedene Sprachen, du triffst auf so viele unterschiedliche Kulturen. Berlin ist eine Stadt, die das zulässt. Berlin ist das, was wir von Deutschland kennen und ist mit unseren Geschichten verbunden. Deshalb war Berlin für uns der einzig mögliche Handlungsort.

Von Berlin geht es im Juli zu den Bregenzer Festspielen. Das Publikum hat zweimal – am 26. und 27. Juli – die Gelegenheit The Situation zu sehen. Ist das ein besonderes Gastspiel für Sie? Ich freue mich darauf Teil der Festspiele zu sein. Mittlerweile weiß ich auch genau, wo Bregenz liegt. Ich weiß aber nicht, was uns erwarten wird, wir waren noch nie hier. Das heißt ich bin überaus gespannt, wie das Publikum in Bregenz auf The Situation, seine Vielsprachigkeit und seinen eigenen Humor reagieren wird. Und: Ich freue mich sehr auf die Stadt und den Bodensee.[content_block id=45503 slug=unterstuetzen-sie-dieses-unabhaengige-onlineportal-mit-einem-ihnen-angesemmen-erscheinenden-beitrag]

 

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