Landschaftstheater Ballenberg, «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden», Première 6. Juli 2017, besucht von Léonard Wüst

Veronika Gut – Landschaftstheater Ballenberg

Das Landschaftstheater Ballenberg inszeniert dieses Jahr einen spannenden historischen Stoff. «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden» erzählt die Geschichte einer mutigen und umstrittenen Frau, die vor 200 Jahren der französischen Besatzung die Stirn bot und dafür einen hohen Preis bezahlte

 

Rezension:

Grundsätzliches:

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden“ erzählt die Geschichte einer mutigen und umstrittenen Frau, die vor 200 Jahren der französischen Besatzung die Stirn bot und dafür einen hohen Preis bezahlte. Das Stück spielt in Nidwalden um 1800. Nur zwei Jahre nach dem verheerenden Krieg zwischen Franzosen und Nidwaldner, als rund 400 Einheimische starben und ganze Dörfer zerstört wurden. Die Anhänger des Ancien Régime, Vaterländer genannt, kämpfen im Untergrund gegen die Anhänger der von Napoleon eingesetzten helvetischen Regierung. Veronika Gut, eine reiche Witwe und Mutter von sieben Kindern, steht auf der Seite der Vaterländer. Mit Mut, politischem Geschick und Geld befeuert sie den Widerstand gegen die verhasste neue Ordnung. 1798 war Veronika Gut bereits Witwe des Leonz Joller und siebenfache Mutter. Beim Franzosenüberfall starb ihr 17-jähriger Sohn Leonz in der Schlacht. Bei der Flucht vor angeblich anrückenden französischen Truppen stürzten 1801 ihre vier Töchter Agatha, Franziska, Josefa und Anna in die Engelberger Aa und ertranken.

Freilichtspiele Ballenberg

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Nach zwei sehr erfolgreichen Theatersaisons mit „Ueli der Knecht“ und „Ueli der Pächter“ von Jeremias Gotthelf wagt sich das Landschaftstheater Ballenberg diesen Sommer an einen neuen Stoff. Der Berner Autor Andreas Berger hat ein Theaterstück zu einer der herausragendsten und umstrittensten Frauenfiguren der Schweizer Geschichte geschrieben: Veronika Gut (1757 – 1829). Die reiche Witwe wehrte sich hartnäckig gegen die neue Ordnung, welche die Franzosen um 1800 in die Schweiz brachten, und zahlte dabei einen hohen Preis. Das Landschaftstheater zeigt ein spannendes Stück Schweizer (Frauen-)Geschichte.

 

Einstimmung für die nachfolgende Première

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Treffpunkt für geladene Gäste war beim Eingang West. Es folgte die offizielle Begrüssung durch den Präsidenten des Vereins Freilichttheater Ballenberg Nationalrat Lorenz Hess. Hess bedankte sich namentlich bei allen Mitwirkenden, Gönnern, Sponsoren usw. die zum guten Gelingen dieser, bereits 23. Produktion, des Vereins „Landschaftstheater Ballenberg“ ihren Beitrag, in welcher Form auch immer, geleistet haben. Die Zuschauerkapazität beträgt 700 Plätze pro Aufführung, alles gedeckte Tribünenplätze direkt an der Spielstätte, also beim  Haus aus Wila (Baujahr ca. 1680).

Es folgten noch ein paar grundsätzliche Informationen durch Peter Flück, Grossrat des Kantons Bern, Präsident des Stiftungsrates vom „Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz“, der seit Amtsantritt Ruhe geschaffen hat, nach den Querelen um die vorherige Geschäftsführung

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Fakt ist: Die Organisatoren haben einen optimalen Weg und Mix gefunden um den gordischen Knoten zu lösen. Vorzügliche Nutzung der örtlichen Gegebenheiten (wie z.B. diesmal das Wila Haus als Schauplatz der Aufführungen, statt Errichtung teurer künstlicher Kulissen). Richtige Grösse ( Anzahl Plätze auf der Zuschauertribüne), kongeniale Einbindung und Mitwirkung der einheimischen Bevölkerung, sehr gute Verankerung und viel Goodwill in der Region. Wenig bis gar keinen Klamauk, Effekthascherei oder Getöse bei der Inszenierung. Authentisches Landschaftstheater.

Gemütliche Wanderung zur Spielstätte

Danach machte man sich auf den 20minütigen Spaziergang zur Spielstätte. „Nichtwanderer“ wurden mittels Kleinbusshuttle dorthin gefahren. Bei optimalen Wetterbedingungen setzte man sich auf die Tribüne und wartete gespannt der Dinge, die da kommen sollten. Prominentester Premierenbesucher wie jedes Jahr war Altbundesrat Christoph Blocher mit Gattin Silvia. Blocher ist auch einer der grössten Sponsoren des Freilichttheaters, wie Lorenz Hess bei der Begrüssung mitgeteilt hatte.

Die Inszenierung beim Haus Wila

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Zu Beginn erläuterte ein Sprecher die Ausgangslage des Stücks. Ein Teil der ursprünglichen Eidgenossenschaft sei jetzt im Jahre 1798, von den Franzosen besetzt und als „Helvetische Republik“, mit den Grundsätzen der französischen Revolution deklariert und installiert worden. Dies auch hier, im von den Franzosen so genannten Kanton Waldstätten, natürlich unter deren peinlicher, strenger Oberaufsicht, die zudem mit Heinrich Zschokke (gebürtiger Deutscher), als „Kommisär“ der helvetischen Regierung, quasi ihren Statthalter eingesetzt hatten. Dies empörte und entzürnte viele freiheitsliebende Nidwaldner, die schon bald den offenen Aufstand wagten, der brutal, grausam und blutig niedergeschlagen wurde und über 400 Nidwaldner das Leben kostete. Dazu kamen die „üblichen „ Kriegsgräuel wie Vergewaltigungen, Plünderungen und Brandschatzungen.

Widerstand einer rebellischen, starken Frau

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Nach dem „Franzosenüberfall“, bei dem Veronika Guts 17jähriger Sohn Leonz ums Leben kam und der Einführung der neuen Ordnung wurde Veronika Gut als widerständige Rebellin verhaftet und vor Gericht gestellt. Sie wurde neben einer Geldbusse dazu verurteilt, mit einem Zettel mit der Aufschrift «Ruhestörende Lügnerin» sonntags eine Viertelstunde vor der Kirche zu stehen. Zudem sollte sie ein Jahr lang eine schwarze Haube tragen. Da zu jener Zeit ehrbare Frauen weisse Hauben trugen, stellte das Tragen einer schwarzen Haube eine Demütigung dar. Veronika Gut verwandelte die als Demütigung gedachte Strafe jedoch in eine Auszeichnung indem sie die Haube mit derart offensichtlichem Stolz trug, dass schon bald der Befehl erging, sie solle diese abnehmen, um nicht weiter den Ärger der Regierung zu provozieren.

Der Aufbau einer Widerstandsbewegung mit Guerillataktik

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

So organisierten sich die verbliebenen Aufständischen unter Führung der Ratsherrenwitwe und siebenfachen Mutter Veronika Gut als eigentliche Guerilla, deren Taktik jeweils bei konspirativen Treffen in deren Stanser  Hause festgelegt wurde. Die übliche Taktik : franzosentreue Landsleute wurden verprügelt und drangsaliert, dies nicht auf weiche Art, sondern unmissverständlich. Dies solle, so Veronika Gut, solange gemacht werden, bis man deren Angstschweiss in Paris riechen könne. Dazu schmuggelte die Anführerin, nach ihren Besuchen auf dem Markt in Luzern, wo sie ihre Waren feilbot, beim Retourweg Waffen und Munition nach Stans zurück.

 

Weiterer persönlicher Schicksalsschlag für Veronika Gut

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Als sie im September 1801 fälschlicherweise einen neuerlichen Einmarsch der Franzosen erwartete, verlor sie auf der Flucht ihre vier Töchter.Diese ertranken in der Engelberger Aa. 1803 wurde Veronika Gut wegen Pöbelei erneut verhaftet. Napoleons militärische Niederlagen ab 1813 gaben ihr neuen Auftrieb. Mit ihrem zweiten Gatten, Melchior Odermatt, und Landammann Franz Xaver Wirsch bildete sie den Kern das nach ihr benannten Froneggrats, der den Widerstand gegen den Bundesvertrag von 1815 organisierte. Mit dem Einmarsch der eidgenössischen Truppen im August 1815 endete Veronika Guts Einfluss. Die Geschichte wurde blockweise gespielt, Episode für Episode. Da wäre man froh gewesen um einen Sprecher der, wie zu Beginn der Aufführung, jeweils kurz erläutert hätte, was jetzt folgt und wo es spielt, da es für Zuschauer, die sich nicht vorher in die Geschichte eingelesen und schlau gemacht hatten, manchmal schwer war, das gespielte sofort richtig einzuordnen. Bei Gotthelf – Inszenierungen geht es problemlos ohne Erklärer, da wohl alle mal einen Gotthelf Film gesehen, einige sogar ein Gotthelf Buch gelesen haben. Schade, denn gespielt wurde vom Ensemble äusserst intensiv, engagiert, der, von Silvia Jost in die Mundart übersetzte Text war sehr passend und pointiert. Karin Wirthner glänzt als Veronika, sie  «isch en Ächti». Sie ist – wie Veronika Gut – in Stans aufgewachsen, sodass gar die Mundart authentisch war. Überragend auch Slvia Jost als Chalen Dorly, die mit viel Witz, Ironie und Sarkasmus diese Aussenseiterin verkörperte. Unterstützend getragen wurden die beiden Schauspielprofis von über 30 Laiendarstellern aus der Gegend um den Ballenberg, die meisten von ihnen schon lange dabei.

Zusammenfassendes Fazit

Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden , Impression , Foto Markus Flück

Die Musik war völlig überflüssig, ja gar störend, hörte man die Schauspielerinnen dann nur sehr schlecht, da am Ballenberg traditionsgemäss ohne Mikrofone agiert wird. Da wären ein paar Takte der „Marseillaise“ bei Auftritten französischer Soldaten bzw. Repräsentanten effektiver gewesen und hätten nicht gestört, sondern dramatisiert.

Den Premierenbesuchern hats trotzdem sehr gefallen, was es denn auch mit einer langanhaltenden stehenden Ovation bekundete.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Photografie Markus Flück:

fotogalerien.wordpress.com/2017/07/02/landschaftstheater-ballenberg-veronika-gut-aufruhr-in-nidwalden-fotodiashow/

 

Kleine Fotodiashows der Proben zur Produktion von Markus Flück, Landschaftstheater Basllenberg und Gabriela Bucher – Liechti:

Text: www.leonardwuest.ch  Fotos: fotogalerien.wordpress.com/2017/05/27/landschaftstheater-ballenbergveronika-gut-aufruhr-in-nidwalden-probenbesuch-von-gabriela-bucher-liechti/

Zusätzliche Infos über das Stück „Veronika Gut“ sowie Reservationen auf

www.landschaftstheater-ballenberg.ch

Der Vorverkauf ist eröffnet

Nähere Informationen und Ticketbestellung über:

landschaftstheater-ballenberg.ch/de/Willkommen

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