Herbie Hancock im KKL Luzern, Konzertsaal, 27. November 201, besucht von Léonard Wüst

Herbie Hancock mit Keytar

Besetzung:

Herbie Hancock, piano – Terrace Martin, saxophone – James Genus, bass – Trevor Lawrence Jr., drums

Herbie Hancock und Band

Pünktlich erschienen die jungen Bandmitglieder auf der Bühne, zu denen sich sogleich der Altmeister der Tastenakrobatik gesellte. Dieser setzte sich auf seinen Schemel, um den herum der Konzertflügel, ein Keyboard und ein Synthesizer gruppiert waren. Mit psychodelischen Klängen, die Hancock dem Keyboard entlockte, startete er das Set im ausverkauften Konzertsaal des KKL. Es waren sowohl jüngere, als auch ältere Semester vertreten, Fans aus den verschiedenen Epochen der über fünfzigjährigen Karriere, des am 12. April 1940 in Chicago geborenen Musikers. Nicht von Anfang an deutete sein Werdegang auf eine Karriere als Jazzer hin, trat er doch im Alter von elf Jahren mit dem 5. Klavierkonzert in D-Dur von Mozart zusammen mit dem Chicago Symphony Orchestra auf, widmete sich aber damals schon nebenbei der alternativen Musik. 1956 begann er Elektrotechnik zu studieren. Er erlernte dort die Grundlagen der Elektronik, dennoch wechselte er nach zwei Jahren in das Fach Musikkomposition, in dem er 1960 abschloss. Das erklärt auch seine, bis heute erhaltene, Affinität zu elektronischen Instrumenten wie Synthesizer usw. Er greift immer wieder auf solche stilistische Elemente zurück, was seine Interpretationen so wandelbar, aktuell, aber trotzdem auch unverkennbar macht. In den frühen Jahren beheimatet beim  Label «Blue Note», spielte er zusammen mit anderen Grössen des Jazz, u.a. Miles Davis, unzählige Titel ein, darunter auch „Watermelon Man“, eines seiner populärsten Stücke überhaupt, das in der Version des Perkussionisten Mong Santamaria zu einem Hit wurde. Bis heute wurde das Stück von mehr als 200 Musikern aufgenommen.

Ein Mix aus  Funk und Free Jazz

Perkussionist Trevor Lawrence Jr.

Den absolut kultig – funkigen Drive erzeugte der grandiose Trevor Lawrence Jr. an der Perkussion, James Genus produzierte zu Beginn bloss einen brummenden Bassteppich, steigerte sich aber im Verlauf des Konzertes, Terrace Martin am Altosax manchmal zu spitz und blechig, betätigte sich ab und an auch am Vocoder oder am Keyboard. Martin, eher als Produzent bekannt, wird auch das nächste Album von Hancock produzieren, wie dieser bei seinem kurzen Speech nach dem ersten Stück erläuterte. Die Band spielte nicht viele Songs, sondern variierte die gespielten bis zu 20, auch mal 30 Minuten, ohne sich zu wiederholen. Hancock immer noch unverwüstlich und spielfreudig.

James Genus, Bass

Voll motiviert bringt er seine Lebensfreude und Leidenschaft in seiner Musik zum Ausdruck, lässt die begeisterten Zuhörer daran teilhaben. Der Piano Giant steht seit über einem halben Jahrhundert dort, wo er schon immer stand: An der Speerspitze der Entwicklungen in Musik, Kultur und technischer Innovation. So performten sie u.a. «Come Running To Me», Actual Proof» vom Album «Thrust», «Chamäleon» von «Headhunters»(1973) und mit «Cantaloupe Island» ein Werk, das bestimmt schon jeder irgendwann gehört hat.

Terrace Martin Saxophon, Vocoder und Keyboard

Das gutgelaunte Publikum spendete immer wieder Szenenapplaus und ging auch körperlich voll mit. Der Altmeister handelte die Wechsel vom Flügel zum Keyboard und zurück nahtlos, kreierte so sehr differenzierte Klangeffekte, die von seinen Mitmusikern übernommen und weitergesponnen wurden.

Furioses Finale mit dem Keytar

Herbie Hancock mit Keytar

Das Auditorium feierte die Musiker mit lautstarkem, stürmischem Beifall, im Parkett sogar mit einer „Standing Ovation“, was die Musiker schliesslich bewog, noch eine Zugabe zu spielen. Dafür schnallte sich Hancock das Keytar um (Umhänge -Keyboard, umgangssprachlich „Keytar“ (Kofferwort aus engl. keyboard und guitar), ist ein Keyboard oder Synthesizer mit einem Schultergurt. Es wird im Gegensatz zum Gitarrensynthesizer über Tasten bedient. Der Keyboarder kann sich im Konträren zum stationären Bühnenaufbau, frei auf der Bühne bewegen. Das Umhängekeyboard wird in der Regel mit nur einer Hand gespielt. Einige Modelle bieten spezielle Controller am Hals des Instrumentes, um Parameter für Pitch-Bender, Modulation oder Effekte zu verändern). Die virtuose Handhabung dieses Unikums von Instrument durch Hancock brachte die, sonst schon gute Stimmung, endgültig zum Kochen und dies wiederum animierte die Protagonisten auf der Bühne zu Hüpfern und sonstigen kleinen Showeinlagen. Man soll immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Das taten dann Hancock und Cie. auch und verabschiedeten sich von einem sehr zufriedenen Auditorium.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.allblues.ch und http://www.herbiehancock.com/

Videos und Fotos : Klaus Rothen

Herbie Hancock Video 1

https://youtu.be/VsJLra0g8R8

Herbie Hancock Video 2

https://youtu.be/0O1B5pXcXlo

 

Ein Konzert von www.allblues.ch und www.jazzluzern.ch

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