Luzerner Theater, Dance Box Kleine Choreographien von und mit dem Tanzensemble, 15. Dezember 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Luzerner Theater Dance Box, Foto Copyright Olivia Lecomte

Dance Box» zeigt kleine, hausgemachte Choreographien. Im Bühnenbild der aktuellen Produktion entstehen unterschiedliche Kurzstücke – von und mit dem Ensemble von «Tanz Luzerner Theater».

Rezension:

Foto Copyright Olivia Lecomte

Einmal pro Jahr versuchen sich die Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles «Tanz Luzerner Theater» in eigenen Choreografien, das nennt sich «Dance-Makers» und spielt sich jeweils im Südpol ab. Sozusagen die kleine Schwester davon ist «Dance-Box». Es sind dieselben Vorgaben, die Tänzer erarbeiten ihre eigenen Stücke und präsentieren diese in der Box beim Luzerner Theater. Die Stücke sind kurz, ein Miniatur-Format, frei von jeglichen Vorgaben, in das sie viel Herzblut stecken und sich als Choreografen ausprobieren und entfalten können.

Kleines Format – grosse Gefühle

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Fünf Miniaturen waren es, Choreografien von Tom van de Ven, Giovanni Insaudo, Dor Mamalia, Zach Enquist und Carlos Kerr Jr., jedes Stück anders. Im ersten «I Have Never Felt» gehen und rennen 4 Tänzer im Quadrat um ihr Leben, rund um 4 Paar Schuhe, die verteilt auf der Bühne liegen. Das hat etwas roboterhaft Koordiniertes und gleichzeitig Orientierungsloses, Gehetztes. Dann bleibt nur noch eine fragile junge Frau auf der Bühne (Aurélie Robichon), die sich in erratischen Bewegungen zu befreien sucht. Ganz anders «Sandra» von Giovanni Insaudo. Sandra Salietti Aguilera tanzt zu Maria Nazionales «Ragione e sentimento», mal mit ihrem Handstaubsauger, mit dem sie sich Bewegungen aus Hals, Beinen und Füssen saugt, mal ganz allein. Lasziv, verführerisch und doch irgendwie tieftraurig in ihrem hauchdünnen Negligé tanzt sie das neapolitanische Lied über Vernunft und Gefühl, versetzt mit Stimmengewirr – Träumereien einer sehnsuchtsvollen Hausfrau. Dor Mamalia präsentiert «Bump», in welchem drei Tänzer/-innen ab und an aneinander prallen, wie es der Titel des Stücks andeutet. Die Choreografie von Carlos Kerr Jr. hat etwas leicht Beängstigendes, auch ausgelöst durch die Musik von Sontag Shogun & Masayoshi Fujita; repetitive Bewegungen, Körper verkrümmen sich, bäumen sich auf. Am Eindrücklichsten und mit viel Potential «Salou» von Zach Enquist. Ein Mann sitzt am Boden und beschreibt die Umgebung, eine Wohnungsbesichtigung oder –beschreibung? Eine Frau versucht, auf sich aufmerksam zu machen. Sie nähert sich ihm, klebt sich an ihn, windet sich um ihn herum wie eine Schlange, imitiert seine Bewegungen, während er unbehelligt weiterspricht. Dann geht er langsam auf sie ein, fängt an, mit ihr zu spielen, als wäre ihr Kopf ein Ball, lässt diesen unter sich durch rollen, über seine Arme und Schultern, zwischen seinen Beinen. Da kreiert Enquist starke Bilder, welche Sade Mamedova und Louis Steinmetz gekonnt umsetzen.

Foto Copyright Olivia Lecomte

Ein kleines, feines Format, die «Dance-Box». Einerseits kommt man den Tänzerinnen und Tänzern ganz nahe, näher noch als bei «Dance-Makers», andererseits bekommt man einen Einblick in das, was sie ganz persönlich interessiert und bewegt. Bleibt zu hoffen, wie es sich auch die künstlerische Leiterin Kathleen Mc Nurney wünscht, dass dieses Format wieder vermehrt zu sehen sein wird in der Box.

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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