Stadttheater Sursee „Boccaccio“ von Franz von Suppé, 13. Januar 2018, Première besucht von Noémie Felber

Stadttheater Sursee „Boccaccio“ von Franz von Suppé

Produktion und Besetzung:

Isabelle Ruf-Weber, Produktionsleitung  Andres Joho, Musikalische Leitung

Björn B. Bugiel, Inszenierung Achim Glatz, Choreinstudierung

Daniel Bentz, Giovanni Boccaccio Kathrin Hottiger, Fiametta

Stefan Wieland,  Pietro, Prinz von Palermo  Jens Olaf Müller, Scalza, Barbier

Alle Mitwirkenden über diese Links:

http://stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512797

http://stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512798

http://stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=512803

Rezension:

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Das Ende der Festtage mag einige Menschen traurig stimmen. Für die Surseer Bevölkerung jedoch gibts im Januar den Startschuss in die jährliche Operettensaison. Auf dem Programm steht dieses Jahr «Boccaccio», ein Werk des Komponisten Franz von Suppé und der Librettisten Friedrich Zell und Richard Genée. Uraufgeführt wurde die Operette am 1. Februar 1879 in Wien. «Boccaccio» gilt als die bekannteste Komposition von Suppés, sie wird aber dennoch vergleichsweise selten aufgeführt. Besonders nach der letztjährigen Produktion der äusserst bekannten Operette «Die Fledermaus» scheint die Ausgangslage schwierig, zumal «Boccaccio» auch noch im düsteren Mittelalter spielt. Kann das im Surseer Stadttheater funktionieren?

Wonnevolle Kunde

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Es kann, und wie! Die Geschichte der Operette stützt sich auf die historische Figur des italienischen Schriftstellers Giovanni Boccaccio (1313-1375) und sein bekanntestes Werk, das «Decamerone». Passend zur historischen Anlehnung eröffnet sich dem Publikum bereits im ersten von drei Akten ein gewaltiges Bild. Der Schriftsteller Boccaccio klappt sein eigenes Buch auf und lädt die Zuschauer in eine von ihm geschaffene Bilderbuchwelt ein. Die andächtige Stimmung schlägt im Florenz des 14. Jahrhunderts schnell in eine leichte, fröhliche Gangart um. Die Geschichte von Boccaccio und seinen Freunden strotzt vor Humor, gleichwohl wird bei jedem Liebespaar eifrig mitgefiebert. Trotz einiger Umwege und Intrigen findet sich gegen Schluss des Abends, was sich finden soll. Die gefällige Handlung und die eingängige Musik halten die Zuschauer auf Trab, dank eindrücklicher Effekte bleibt die Spannung vom Anfang bis zum Schluss erhalten. Von den 150 Lichteinstellungen über die realistischen Kostüme bis hin zum aufwendigen Bühnenbild punktet die Inszenierung auf der ganzen Linie.

Feuer und Flamme

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Für die Aufführung von «Boccaccio» wurde ein immenser Aufwand geleistet. Besonders hervorgehoben werden sollten die ergänzend zum Originaltext geschriebenen Dialoge von Björn B. Bugiel, verantwortlich für die Inszenierung und die Ballettchoreographie im ersten Akt. Das Gesamtpaket ist ausserordentlich stimmig und die Operette präsentiert sich als beeindruckende und humorvolle Inszenierung. Der wahrscheinlich eindrücklichste Effekt des ganzen Abends ist jedoch der brennende Bücherwagen mit Boccaccios Novellen. Der Autor selbst entzündet mit einer Fackel seine Werke. Feuer auf der Bühne ist stets eine heikle Sache, Eventtechniker Fynn Bollinger und andere Beteiligte mussten für diese Szene sogar eine spezielle Ausbildung machen. Gelohnt hat sich dieser Aufwand allemal: Der Bühneneffekt ist grossartig und der Fackelträger Boccaccio wirbt in dieser Pose vom ausdrucksstarken Werbeplakat.

Altbekannt und doch ganz neu

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Obwohl die Hauptrollen neu besetzt sind, bleibt das Team der Operette im Kern beständig. Auf der Bühne begegnen regelmässigen Besuchern also altbekannte Gesichter, was das familiäre Gefühl des Theaters zusätzlich verstärkt. So ist Bugiel beispielsweise bereits zum fünften Mal dabei und Isabelle Ruf-Weber verantwortet sogar schon zum 16. Mal die künstlerische Gesamtleitung. Beide leisten in ihren jeweiligen Gebieten grossartige Arbeit. Die Schauspieler interpretieren ihre Rolle sehr glaubwürdig und fesseln das Publikum von der ersten Sekunde an. Auch die gesangliche Darbietung steht der schauspielerischen Leistung in nichts nach. Die Gesangssolisten überzeugen mit vorzüglichen und stimmigen Darbietungen. Unterstützt werden sie von zahlreichen Chormitgliedern, die zugleich als Statisten fungieren. Die stimmlich schwierigen Passagen werden von ihnen bravourös gemeistert und das Engagement und die Spielfreude sind ihnen deutlich anzusehen. Auch das rund 24-köpfige Orchester begleitet die Sänger stimmungsvoll und spielt die wunderschönen Melodien Suppés lebhaft und gefühlvoll. Das Premierenpublikum war begeistert und belohnte die Protagonisten mit Standing Ovations.

Boccaccio Szenenfoto, Bild Roberto Conciatori

Wer also den langen Weg nach Florenz nicht gehen mag, der kann sich auch mit einem Abend im Surseer Stadttheater begnügen. «Boccaccio» wird dort noch bis Mitte März gespielt, ein Besuch lohnt sich definitiv.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Roberto Conciatori:

fotogalerien.wordpress.com/2018/01/14/stadttheater-sursee-boccaccio-operette-in-drei-akten-von-franz-von-suppe/

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos: http://www.stadttheater-sursee.ch/willkommen

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