Dionne Warwick, «Heartbreaker»: Das Farewell-Konzert der Soul-Ikone, KKL Luzern,19.05.2022, besucht von Léonard Wüst

Dionne Warwich she is back one last time

Besetzung:

Dionne Warwick, Vocals , – William Hunter, Piano – Danny DeMorales, Bass – Renato Pereira, Percussion – David Elliott, Drums

Marie Dionne Warwick, u.a. fünffache Grammy-Gewinnern, ist laut dem Magazin Rolling Stone die „Pionier-Chanteuse des schwarzen Middle-of-the-Road-Pop“ und wurde besonders als Muse und Interpretin der Kompositionen von Burt Bacharach und Hal David berühmt.

Wichtige Stationen ihres Werdegangs

Dionne Warwick Konzert Szenenfoto

Für «Do You Know The Way To San Jose?», einen weiteren Welthit, erhielt Dionne Warwick – übrigens die Cousine von Whitney Houston – 1968 als erste afroamerikanische Sängerin nach Ella Fitzgerald einen Grammy, dem 1970 schon der zweite folgte und danach noch etliche mehr. Warwicks prägnante Stimme und galante Erscheinung veranlasste etliche Stars, ihr Songs auf den Leib zu schreiben, wie Burt Bacharach, Barry Manilow oder Barry Gibb und in den 80er-Jahren begann die glorreiche Zeit ihrer Paar-Duette mit Stevie Wonder, Luther Vandross und Elton John.

 

 

Im Rahmen ihrer Abschiedstournee gab sie am 19.5.2022 im KKL Luzern ein letztes Konzert in der Schweiz. Im fast ausverkauften Konzertsaal betraten zuerst die vier Bandmitglieder die Bühne.

Dionne Warwick Konzert Szenenfoto

Dann, recht bedächtig, kam die Soulikone im zitronengelben Outfit auf die Bühne und man frage sich unwillkürlich, ob es diesem Zitronenfalter noch gelingen würde, die Flügel so elegant und kraftvoll wie früher zu entfalten  ( die Flügel der Lungen natürlich). Im Alter von  bald 82 Jahren sicher kein leichtes Unterfangen. Sie sollte die Skeptiker eines Besseren belehren, obwohl sie meistens sitzend intonierte. Natürlich waren die meisten Songs um eine halbe, manche um eine ganze Note nach unten transponiert, da im fortgeschrittenen Alter, aufgrund des schrumpfenden Lungenvolumens,  die ganz hohen Töne nur noch schwer zu singen sieht, wie man das z.B. bei Opernsänger*innen ja auch merkt, die allmählich von der Sopranlage zu Mezzosopran, vom Heldentenor ins Baritonrepertoire wechseln.

Symbolische Übergabe des Zepters an die nachfolgende Generation

Dionne Warwick Konzert Szenenfoto

Höhepunkt des Konzertes und gleichzeig so etwas wie eine Stabübergabe an die nächste Generation war das berührende Duett, «I Say a Little Prayer», mit ihrem Sohn David Elliott, der Schlagzeuger in ihrer Band ist und auch schon als Produzent unter anderem für Pink, Jessica Simpson oder Destinys Child tätig war.

Warwick sang praktisch alle ihre Hits, die sie unsterblich machten, von «Heartbreaker» «Brazil» bis «That’s What Friends Are For», aber auch ihre frühen Klassiker wie «Don’t Make Me Over».und unterliess es nicht, ab und zu Anekdoten aus ihrem, wahrlich an Höhepunkten nicht armen Leben, zum Besten zu geben oder etwas zur Entstehung dieses oder jenes Songs zu erzählen.

That what friends are for

Dionne Warwick Konzert Szenenfoto

Damit verabschiedet sich die grosse US-amerikanische Sängerin von ihrem Schweizer Publikum. Und dieses steht zum zweiten Mal an diesem Donnerstagabend. Der Konzertsaal im KKL Luzern gibt der 82-Jährigen den angemessen würdevollen Rahmen, um noch einmal eindringlich, aber nicht streng, ihren Überzeugungen durch ihre Songs Nachdruck zu verleihen.

«We Are the World» – ­zusammen etwas verändern

Drei Viertel ihres Lebens habe sie der Musik gewidmet, sagt Warwick. Und da sind die Jahre vor ihrer Solokarriere ab 1962 nicht mitgerechnet. In Zahlen sind das sechs Grammy Awards und über 80 Singles in den Charts. Im Alter hat sie als «Auntie Dionne» (Tantchen) auch noch angefangen zu twittern, sie hat einst Rapper Snoop Dogg wegen frauenfeindlicher Texte und jüngst den 30-jährigen DaBaby wegen homophober Kommentare und seiner Falschinformationen zu AIDS in die Schranken gewiesen.

Dionne Warwick weiss, dass ihre Kräfte nachlassen..Das macht aber auch schmerzlich bewusst, wie sehr sie selber an Stimmkraft und Sicherheit verloren hat.

Mit «Heartbreaker», geschrieben von den Bee Gees, gibt’s merklich Bewegung im Saal. Eine Frau auf dem Balkon ist zum Tanzen aufgestanden. Mit «We Are the World» – auch bei «USA for Africa» war sie dabei – wird das Konzert zur grossen Mitsingparty. Diesen letzten Block aber leitet Warwick ein mit den Worten: «I think we have to start the art of conversation again.» Die Konflikte in und ausserhalb der USA würden sich nur lösen lassen, wenn die Leute wieder anfangen, tatsächlich miteinander zu reden.

«What the World Needs Now» schliesst unmittelbar an diese Botschaft an. «What the world needs now is love, sweet love» – Liebe, Toleranz, Respekt sind es, was die Welt braucht. Einer aus der ersten Reihe steht auf und streckt ihr einen riesigen Blumenstrauss entgegen.

Vorbild und Vorreiterin – auch für Whitney Houston

Dionne Warwick hat sich in keine musikalische Schublade stecken lassen und sich nie den Mund verbieten lassen. Sie strahlt eine natürliche Autorität und Würde aus, ist und bleibt für viele ein Vorbild. Auch Snoop Dogg hat sich die Worte von Auntie Dionne zu Herzen genommen. Als Afroamerikanerin, die mit Tante Cissy Houston im Gospelchor der New Baptist Church von Newark angefangen hat, erarbeitete sie sich einen Platz in der Popkultur zwischen Schwarz und Weiss – und wurde dafür von beiden Seiten kritisiert. Damit hat sie den Weg bereitet für ihre Cousine Whitney Houston oder Alicia Keys.

Zm Abschluss stehend

Dionne Warwick

Für «That’s What Friends Are For» steht Dionne Warwick auf. Es ist ihre Art, sich vom Schweizer Publikum zu verabschieden, goodbye und farewell mag sie nicht. «See you next time» ist ihr lieber. Irgendwie tröstlich zu erfahren, dass nicht nur an Normalsterblichen, sondern auch an Musiklegenden der Zahn der Zeit nagt und auch sie den Naturgesetzen, in diesem Fall dem Alter, Tribut zollen müssen.

Trotz all den Abstrichen ein denkwürdiges Konzert, zieht sich doch wieder eine der grossen Diven  ihrer Zeit, , von der Klasse einer Shirley Bassey, auch auf deren Augen- bzw. Stimmhöhe, von der Bühne zurück.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:      Gabriela Wyss und  www.allblues.ch

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Standing Ovations bei Abschied von Dionne Warwick Foto Manuela Jans

Dionne Warwick Konzert Szenenfoto